Im Zeichen der Gemeinschaft

Das Thalia Theater stellt die Spielzeit 2026/27 vor.

Nora Khuon, Anne Lenk, Sonja Anders, Tom Till, Christina Belling (v. li) bei der Pressekonferenz der Spielzeit 2026/27 – Foto: Krafft Angerer

Die Begeisterung ist ansteckend. Mit leuchtenden Augen kündigt das Leitungsteam des Thalia Theaters mit Intendantin Sonja Anders, Nora Khuon (Dramaturgie) und Anne Lenk (Regie) die kommende Spielzeit an und blickt zurück auf die Saison 2025/26, immerhin die sprichwörtlich schwierige Anfangszeit. Die Auslastung vor allem im Thalia in der Gaußstraße ist mit 89% so gut wie nie, wozu auch die neu eingerichtete BOX beiträgt. Im Haupthaus liegt sie aktuell bei 70%, die Einnahmen, so Geschäftsführer Tom Till, liegen „über Plan“, die Abonnentenzahlen sind gestiegen, kurz, so Till: „Thalia bleibt stabil.“

Ein Grund, mit Schwung in die kommende Spielzeit zu gehen. Die setzt diesmal inhaltlich, aber auch organisatorisch auf Kooperation und Solidarität. Es wird gemeinsame Produktionen mit der Hamburgischen Staatsoper („Dornröschen“, Regie: Anna Bergmann), der Kunsthalle („Caspar David Friedrich“, Regie: Lisaboa Houbrecht),  Kampnagel („Das Wutschwert muss man herausziehen, bevor es weitergeht“ von Meine Damen und Herren und Gob Quad), den Salzburger Festspielen  („Der Menschenfeind“, Regie: Jette Steckel) und dem Deutschen Theater Berlin geben. Bei letzterem teilen sich für „Kabale und Liebe“ (Regie: Anne Lenk) beide Theater Bühnenbild, Kostüme und Ensemble, und – Achtung Spoiler! – Maren Eggert wird dabei sein. 

Vierzehn von zwanzig Premieren werden von Regisseurinnen inszeniert.

Die insgesamt zwanzig Premieren im Großen Haus, der Gaußstraße inklusive BOX thematisieren die Gemeinschaft, die Solidarität und die Stärke gegen Hass und Gewalt. Zur Eröffnung gibt es die Uraufführung von „Deutsches Haus“ nach dem Roman von Annette Hess, die übrigens auch das Drehbuch zur Fernsehserie „Weißensee“ geschrieben hat (Regie: Jorinde Dröse). Thema ist die Auseinandersetzung mit persönlichen Verstrickungen in der NS-Zeit. Eine neue Sichtweise auf Borcherts Heimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“ verspricht die Inszenierung des israelischen Theaterkünstlers Ran Chai Bar-zvi. Ionescos absurdes Stück „Die Nashörner“ (Regie: Luise Voigt) spiegelt den Totalitarismus wider.  Um den Kampf gegen Unmenschlichkeit geht es in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (Regie: Anne Lenk). „Die Vegetarierin“ nach dem Roman der Nobelpreisträgerin Han Kang dreht sich um Selbstbestimmung und den Widerstand gegen eine alles vereinnehmende Gesellschaft (Regie: Lilja Rupprecht), Aydemirs Roman “Dschinns“ (Abiturthema!) thematisiert Brüche und Bindungen in einer Familie. 

Die neue Leitung des Thalia Theaters hat den Anteil von Frauen gegenüber der Ära Lux massiv verstärkt. Vierzehn der zwanzig Premieren werden von Regisseurinnen inszeniert. Aber auch der besonders in Hamburg heiß geliebte Antú Romero Nunes ist wieder dabei und setzt „Figaro“ nach Beaumarchais als rasante Komödie über Intrigen und Solidarität um. 

Die Lessingtage vom 30. 01. bis 14. 02. 2027 werden von der Dramaturgin Christina Bellingen kuratiert. Es wird wieder internationaler und, so Bellingen, auch „spielerisch und artistisch“. Man darf gespannt sein auf die neue Saison am Alstertor.

Weitere Informationen unter: https://www.thalia-theater.de/de

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