Heikle Themen und gute Unterhaltung -Die Spielzeit 2026/27 in den Hamburger Kammerspielen

Foto: Bo Lahola

Schon mal den Namen Harry Herrmann Spitz gehört? Nicht? Das wird sich spätestens bei   der Uraufführung von „Long Ago And Far Away“ ändern. Das Stück über den jüdischen Musiker, Dirigenten und Rundfunkredakteur schreibt gerade der Lichtkünstler und Autor Michael Batz („Blue Port“, „Der Hamburger Jedermann“) in Zusammenarbeit mit dem NDR für die Hamburger Kammerspiele. Premiere ist erst im Februar 2027, aber es setzt ein Zeichen für das, wofür das Haus in der Hartungstraße auch in der kommenden Spielzeit steht: gegen den Rechtsruck, für jüdische Themen und einen lokalen Bezug, wie Intendant Axel Schneider erklärte. Spitz, nach Unfall, Verfolgung, KZ und Flucht schließlich in Hamburg beim damaligen NWDR als Leiter der Musikabteilung engagiert, schuf den Sound der 50er Jahre, brachte den Jazz, aber auch Neutöner wie Schönberg ins Programm und gilt bis heute als bahnbrechender Vorbereiter für Neue Musik beim NDR. Dass er 1955 von Alt-Nazis zu Unrecht denunziert wurde, schlägt den Bogen zur Gegenwart, in der rechte Strömungen wieder ungeniert auftreten. 

Sieben weitere Premieren wird es in der neuen Saison geben. Vor schwierigen Themen in diesen Zeiten wolle man sich „nicht drücken“, so Schneider. Aber man wolle auch „gut unterhalten“ und deshalb beide Schienen berücksichtigen. Da gibt es „Der Gang vor die Hunde“ nach Kästner als musikalischen Streifzug (u.a. mit Martin Brambach), Albert Ostermaiers „Stahltier – In Riefenstahls Schatten“ (u.a. mit Wolfram Koch), Gilla Cremers Solo „Zum Sterben Schön“ und Suzie Millers „Inter Alia“, das thematisch an ihr Debüt „Prima Facie“ anknüpft. Mit der Eröffnungspremiere „Auf Wunder ist Verlass“ am 3. September gibt es einen musikalischen Abend, der verschiedene Stile verbindet und damit Hoffnung verbreitet. Weil „Der Tatortreiniger“ in der Spielzeit „2025/26 so gut ankam, wird – ganz im Sinne von Serien – eine zweite Staffel mit vier Teilen folgen, allerdings mit neuer Besetzung. Die einzelnen Teile werden wie in der ersten Staffel für wieder von vier verschiedenen Regisseur:innen inszeniert. Die Gesellschaftskomödie „Nur drei Worte“ hat als letzte neue Produktion im April 2027 Premiere. Aber damit nicht genug. Fünf Wiederaufnahmen (darunter das erfolgreiche „Last Call“ und „Er sagt. Sie sagt“), das Kinderstück „Die der ??? Kids – Der singende Geist“ und vier Sonderveranstaltungen finden sich ebenfalls im neuen Spielplan. Los geht es aber schon Ende August mit dem vierten Schauspielschultreffen. Für Schneider bedeutet das „viel Jugend im Haus und viel gute Laune.“ Wenn das kein guter Start in die neue Saison ist…

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