Der Titel scheint auf eine krachende Komödie hinzuweisen. „Gebrüllt vor Lachen“ des US-amerikanischen Dramatikers Christopher Durang hat zwar durchaus komische Momente, ist aber ein vielschichtiges, absurdes Stück um zwei einsame Großstadtmenschen. Lars Ceglecki hat es im Theater das Zimmer mit Anke Bautzmann und Colin Hausberg inszeniert.

Die Kritik
Das Glas ist für ihn ganz klar halb leer. E-Scooter, die einen umfahren und dann überall herumliegen, volle U-Bahnen, Menschen, die im Kino geräuschvoll Bonbons auswickeln, der Klimawandel – ach, es gibt entsetzlich viel, was im Alltag nervt. Im grauen Jogginganzug hockt der junge Mann (Colin Hausberg) auf dem treppenartigen Podest und streicht sich mehrfach verzweifelt über das kahle Haupt. Neben ihm sitzt, ebenfalls im grauen Jogginganzug, eine junge Frau (Anke Bautzmann). Ihr geht es nicht anders. „Es ist einfach kompliziert, am Leben zu sein“, stellt sie fest. Aber was tun? Yoga? Konzentriertes Atmen? Ziel muss es doch sein, positiv zu denken, das Glas also als halb voll zu betrachten.
Die beiden namenlosen Großstadtmenschen sind die Protagonisten in „Gebrüllt vor Lachen“. Das Stück von Christopher Durang ist bis zum 18. Oktober in Hamburgs kleinstem Privattheater, dem Theater Das Zimmer, zu sehen. Anders als der Titel vermuten lässt, zielt es jedoch nicht auf schenkelschlagendes Gelächter. Vielmehr handelt es sich bei dieser skurrilen, ins Absurde driftenden Komödie um zwei am Alltag, vielleicht sogar am Leben scheiternde Menschen. „Gebrüllt vor Lachen inmitten allertiefsten Leids“, würde nämlich der vollständige Titel – ein Zitat aus Samuel Becketts „Glückliche Tage“ – heißen. Lars Ceglecki hat Durangs in den 1980er Jahren verfasste Stück für die kleine Bühne an der Washingtonallee gestrafft und gemeinsam mit seinen beiden Darsteller:innen ins Heute gesetzt. Die jeweils halbstündigen Monologe der beiden Figuren sind auf das Wesentliche gekürzt und miteinander verflochten, New York City der 1980er Jahre ist durch Hamburg 2026 und aktuelle politische Ereignisse und Personen ersetzt. Die Bühne wird von einem mehrstufigen Podest dominiert, seitlich befindet sich eine Flipchart. Deren unterschiedlich beschriebene Seiten strukturieren die Themen, die es in den gut 90 Minuten (plus Pause) zu verhandeln gilt.
Es kommt zu komischen Dialogen, gleichzeitig wird aber auch die tiefe Sehnsucht nach bleibenden Werten deutlich.
Ausgangspunkt ist ein zufälliges Treffen im Supermarkt vor dem Thunfischregal. Sie – wie sich bald herausstellen wird eine Frau, die bereits mehrfach in der Psychiatrie in Ochsenzoll behandelt worden ist – hält es nicht aus, dass er eine gefühlte Ewigkeit vor dem Regal steht und sie beim Zugriff auf die Thunfischdosen behindert. Zornig schlägt sie ihm auf den Kopf, ein Kind beginnt zu schreien, es herrscht Chaos. Diese Situation – wie real oder irreal sie auch immer sein mag – gibt den beiden Anlass, über sich und ihr Verhalten nachzudenken. Zu überlegen, warum sie von bestimmten Dingen genervt sind oder was vielleicht mit ihnen persönlich nicht stimmt. Dabei kommt es zu durchaus komischen Dialogen, gleichzeitig wird aber auch die tiefe Sehnsucht nach einem Sinn und nach bleibenden Werten deutlich.
Während der erste Teil des Abends noch ansatzweise eine nachvollziehbare Wirklichkeit widerspiegelt, dreht der zweite, nur dreißig Minuten lange Teil richtig ab. Irrwitzige Träumen stehen hier im Vordergrund und mischen sich mit der realen Situation: Sie gibt vor, die Entertainerin Ina Müller erschossen und deren Show übernommen zu haben, animiert das Publikum zum Mitmachen und stellt ein aufdringliches Lachen als ihr neues Markenzeichen aus. Er tritt im Jesus-Kostüm als Prager Kindl auf, weiß aber nicht genau, was er in dieser Show verloren hat. Mehrfach wird später die Situation vor dem Thunfischregal in verschiedenen Variationen durchgespielt mit dem Verweis, dass man vielleicht genauer hätte aufeinander eingehen können. Und dennoch: Beiden bleibt am Ende die Erkenntnis, dass im aller heftigsten Leid nur noch das Brüllen vor Lachen hilft. Ein skurriler, mehrschichtiger Abend.
Weitere Informationen unter: https://www.theater-das-zimmer.de/