Ein Deal mit dem Teufel ist nie eine gute Idee. Das muss auch Timm erfahren, der sein Lachen an den superreichen Baron Lefuet verkauft. Zum 100. Geburtstag von James Krüss hat Katharina Birch am Hamburger Thalia Theater ihre Bühnenfassung zu „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ schwungvoll und mit viel Witz inszeniert.

Die Kritik
Der Teufel darf alles. Der muss nicht auf den offiziellen Beginn einer Vorstellung warten. Der geistert in Gestalt des Barons Lefuet (muss man nur rückwärts lesen, dann wird klar, wen man vor sich hat) schon mal vorab durch die vorderen Zuschauerreihen. „Einmal richtig lachen!“, befiehlt er einzelnen Kindern. Zufrieden ist er allerdings nach keinem Angebot und trollt sich schimpfend Richtung Ausgang. Einer, dessen Lachen ihn überzeugt, ist Timm Thaler (Samuel Mikel). Der Junge mit den wuscheligen Haaren lacht zwar tatsächlich ein wenig angestrengt, aber für den Baron (Hajo Tuschy) reicht es. Wie es um Timms Situation steht, erfährt er teils im gebundenen Sprechgesang, teils berichtend von Gloria Odosi als clowneske, charmante Erzählerin. Timm, weiß er nun, stammt aus ärmlichen Verhältnissen, seine Eltern sind tot. Untergebracht ist er derzeit bei seinem dem Alkohol, aber nicht der Kindererziehung zugeneigten Onkel (wie ein abgewrackter Rockmusiker: Oliver Mallison). Timm, der dringend Geld braucht, versucht es bei Pferdewetten, und genau da sieht der Teufel seine Chance. Er ist zwar der reichste Mann der Welt – auch wenn der Name nicht fällt, werden zumindest die Erwachsenen an Elon Musk denken -, aber ihm fehlt das Lachen. Lachen, das das Leben leichter macht, das Probleme kleiner erscheinen lässt und den Menschen befreit. Und Timm besitzt es. Aus der finanziellen Not heraus, vielleicht auch auf Grund einer gewissen Gutgläubigkeit, lässt sich der Junge auf den Deal ein.
Katharina Burch, die dem Kinderbuchklassiker von James Krüss eine frische, an die Stadt Hamburg orientierte Bühnenfassung verpasst hat („Moin!“, „Da unten liegt Pinneberg“), lässt zunächst mit Ausnahme der Erzählerin alle anderen Figuren an dicken Seilen wie Marionetten agieren. Marionettentheater will den Kindern Freude bereiten und sie zum Lachen bringen. Jedenfalls erklärt das Timm am Ende, wenn er nach vielen Abenteuern selbst ein Marionettentheater bekommt. Das mag vielleicht der Grund für diesen etwas willkürlichen Regieeinfall am Anfang sein. Doch kaum hat sich Timm dem Teufel verkauft, sind auch die dicken Stricke weg. Das Bühnenbild von Georg & Paul gibt in den kommenden knapp neunzig Minuten alles: Von oben rauschen die beleuchteten Fassaden einer altertümlichen Stadt (Hamburg) herab und verschwinden wieder, ein zylinderförmiges Gestell auf der Drehbühne dient als Flugzeug, zu dem eine Gangway mit der Aufschrift „Lefuet Wings“ gefahren wird, Sterne leuchten, Wolken schwirren, eine Seemannskneipe öffnet sich, ebenso die Hinterbühne eine Theaters.
Die Inszenierung hat Tempo und bekommt Spannung nicht zuletzt durch die live-Musik von Lars Ehrhardt.
Baron Lefuet lässt Timm jede Wette gewinnen, führt ihn durch die Welt und macht ihn zu seinem Erben. Elegant, aalglatt und rhetorisch geschliffen spielt Hajo Tuschy diesen Baron wie einen der mächtigen CEOs, die man aus den Medien kennt- und hier ist er der Teufel. Timm sehnt sich nach seinem Lachen, seiner Seele und der Wärme von früher. Er findet sie zufällig in dem Theater von Kreschimir (Nina Sarita Balthasar), wo auf äußerst amüsante Weise eine Märchenwald-Impro aufgeführt wird. Das ist besonders lustig, weil das Publikum nur die heillose Verwirrung auf der Hinterbühne sieht. Birch spart nicht mit Anspielungen auf andere Werke („Faust“, „Ein Sommernachtstraum“, „Sympathie for the Devil“), was Kinder ab zehn Jahre vielleicht weniger, Erwachsene aber umso mehr genießen können. Ihre Inszenierung hat Tempo und bekommt Spannung nicht zuletzt durch die Live-Musik von Lars Ehrhardt. Die untermalt auch den Sprechgesang der wundervollen Gloria Odosi (sie tritt außerdem als unbeeindruckter, berlinernder Security-Mann auf) und feuert ihre Songs an (fantastisch singen, tanzen und Rad schlagen kann sie nämlich auch). Erhardt ist es denn auch, der als Ringo bei den Beatles im Glitzeranzug mitspielt. Dass die Fab Four mit einem unveröffentlichten Song auf der Bühne erscheinen, war eine der Wetten, von der Timm glaubte, dass er sie verlieren würde. Wenn das so wäre, würde er aus dem Deal entlassen werden und sein Lachen wiederbekommen. Mit der Beatles-Wette klappt es nicht, die stehen tatsächlich da und singen. Aber mit Hilfe von Kreschimir gelingt es ihm, eine Wette zu verlieren, nämlich die, dass er sein Lachen wiederbekommt. So wird alles gut. Der reichste Mann der Welt steht am Ende ziemlich armselig da. So ganz ohne Lachen ist das Leben einfach nicht schön. Mit „Timm Thaler“ am Thalia Theater aber schon, und zwar für die ganze Familie. Man sollte die Gelegenheit dazu nutzen.
Weitere Informationen unter: https://www.thalia-theater.de/de/stuecke/timm-thaler/350
INFORMATIONEN FÜR LEHRKRÄFTE
Inhaltliche Schwerpunkte
- Lachen macht das Leben leichter.
- Geld allein macht nicht glücklich.
- Ein Deal mit dem Teufel lohnt sich nicht.
Formale SchwerpunKtE
- Einsatz einer kommentierenden und weiterführenden Erzählerin
- Untermalende, begleitende und antreibende Musik
- Mehrfachrollen einzelner Schauspieler:innen
- Aufwändiges Bühnenbild
Vorschlag für Altersgruppe/Jahrgangsstufe
- Ab 10 Jahre, ab Klasse 5/6
- Empfohlen für den Deutsch- und Theaterunterricht
Zum Inhalt
Timm Thaler ist ein Hamburger Junge aus ärmlichen Verhältnissen. Seit dem Tod seiner Eltern ist er bei seinem Onkel untergebracht, der für Timm nicht sonderlich viel Interesse zeigt. Was Timm auszeichnet, ist sein unbekümmertes, alle Probleme wegwischendes Lachen. Das neidet ihm der teuflische Baron Lefuet, der als der reichste Mann der Welt gilt. Da Timm dringend Geld braucht, nicht zuletzt um den Grabstein für seine Eltern bezahlen zu können, bietet er ihm einen Deal an: Timm verkauft ihm sein Lachen und wird dafür jede Wette gewinnen und ewigen Reichtum besitzen. Anfangs lässt sich das Geschäft noch gut an, doch schon bald erkennt Timm, wie sehr ihm sein Lachen und damit das, was ihn als Mensch ausmacht, fehlt. Zusammen mit Johnny und Kreschimir, seinen Freunden von früher, versucht er sein Lachen zurückzugewinnen. Dafür muss er nur eine einzige Wette verlieren, und das ist gar nicht so einfach.
Mögliche Vorbereitungen
James Krüss: Timm Thaler oder das Verkaufte lachen (Lektüre oder genaue Inhaltsangabe)
Im Unterrichtsgespräch
Angenommen, ihr seid der reichste Mensch der Welt – Was würdet ihr mit dem Geld machen?
Speziell für den Theaterunterricht
Übungen zur Körperhaltung
Die Gruppe geht in neutraler Haltung durch den Raum. Die Spielleitung gibt nacheinander Anweisungen für kurze Darstellungen, die dann wieder durch den Raumlauf abgelöst werden, bis eine weitere Anweisung erfolgt: z.B.: Stellt durch eure Körperhaltung „Glück“, „Fröhlichkeit“, „Strenge“, „Disziplin“, „Traurigkeit“ o.ä. dar.
Erstellen von Standbildern
Die Spielleitung teilt den Kurs in Kleingruppen ein.
Aufgabe:
Erstellt ein Standbild
- zum Begriff „Armut“ (Gruppe A)
- zum Begriff „Reichtum“ (Gruppe B)
- zum Begriff „Leichtes Leben“ (Gruppe C)
- zum Begriff „Sorgenvolles Leben“ (Gruppe D)
- zum Begriff „Stress“ (Gruppe D)
Präsentation und Feedback.
Überlegt, welche Standbilder zusammenpassen und verknüpft sie miteinander, indem ihr über Zeitlupentempo von einem Bild zum anderen wechselt.