Sturmhöhe

Ordentlich was los auf Wuthering Heights und dem benachbarten englischen Gut. Da wird geliebt, gehasst, gestorben und Rache geübt, dass einem ganz wirr  im Kopf wird. Franz-Joseph Dieken hat Emily Brontës Klassiker „Sturmhöhe“ für die Bühne adaptiert und im Altonaer Theater kompakt inszeniert.

Heathcliff (li: Celio Silvestre Tamele) wird ausgegrenzt auf Wuthering Heights (v. li: Antonia Leichtle, Mats Kampen, Linda Stockfleth, Richard Ciuchendea, Marie Vögele) – Foto: Bo Lahola

Die Kritik

Erinnert sich noch jemand an „Wuthering Heights“? 1978 besang Kate Bush mit kristallener Stimme die Moorlandschaft um das legendäre Gut aus Emily Brontës gleichnamigem Roma. „Heathcliff, it’s me, I’m Cathy/ I’ve come home, I’m so cold/ Let me in your window“, heißt es im Refrain. Der Geist der Gutstochter Cathy  bringt sich darin dem von der Familie verstoßenen Heathcliff in Erinnerung und bittet darum, von ihm wieder aufgenommen zu werden. Ihr ist kalt, nicht körperlich, sondern vor allem seelisch. Der Song bildet das Intro zu Franz-Joseph Diekens Inszenierung „Sturmhöhe“ am Altonaer Theater, a capella gesungen von Linda Stockfleth in der Rolle der Catherine. Zu sehen ist sie zunächst nicht in dem dschungelartigen Gebilde aus Tuchstreifen, das von oben in die Bühnenmitte hängt. Es erinnert an die Natur erinnert, die Wuthering Heights mit dem Thrushcross Grange, den beiden zentralen Handlungsorten, umgibt. Die hat Ausstatterin Sabine Kohlstedt durch rechts und links angeordnete Torbögen angedeutet und auf weiteren Dekor verzichtet. 

Noch während also Linda Stockfleth singt, treten die übrigen Personen auf und reden durcheinander. Es sind Catherines Bruder Hindley (Mats Kampen, später auch als Hareton), die Haushälterin Nelly (Antonia Leichtle),  der junge Erbe von Thrushcross Grange Edgar Linton (Richard Ciuchendea alternierend mit Tobias Dürr), dessen Schwester Isabella (Marie Vögele, später auch als Sohn Linton)  und ein nicht näher definierter Joseph (Dirk Hoener). Wer genau diese Personen sind und welche Ambitionen sie haben, wird nur angedeutet und macht das Verständnis nicht leichter. Aber jetzt geht es zunächst einmal um den „zerlumpten Grobian“ , den sie ungern in ihrer Mitte sehen wollen. Damit ist Heathcliff gemeint, das Findelkind, das Catherines Vater seinerzeit auf der Straße aufgelesen, mit auf sein Gut gebracht und dort erzogen hat. Heathcliff hat Dieken, auch für die Bühnenfassung verantwortlich, mit dem Schwarzen Schauspieler Celia Silvestre Tamele besetzt und damit die Rassismus-Karte gespielt. Die ihm widerfahrende Ablehnung hat also nicht nur mit seiner sozialen Herkunft, sondern auch mit seiner Hautfarbe zu tun. Die Beschimpfungen ihm gegenüber bekommen dadurch eine neue schmerzhafte Qualität. 

Die Namensgleichheit kann einen schon verwirren.

Das Problem bei dieser durchweg überzeugend gespielten und flott inszenierten Produktion ist die verschachtelte, sich über Jahrzehnte hinziehende Handlung. Der 1847  noch unter dem Pseudonym Ellis Bell erschienene Roman erzählt von der Liebe zwischen Heathcliff und der Gutstochter Catherine und von der Rache Heathcliffs, nachdem er von Catherines Familie verstoßen worden und sie, um das wirtschaftlich am Abgrund stehende Anwesen zu retten, eine Ehe mit dem gut betuchten Edgar Linton eingegangen ist. Heathcliff, drei Jahre später zu Geld gekommen, rächt sich so umfassend wie nur möglich: Zuerst heiratet er gegen dessen Willen Edgars Schwester Isabella, nach ihrem Tod und dem Catherines – inzwischen sind zwölf weitere Jahre vergangen und auch Edgar ist gestorben-, zwingt er deren Tochter Catherine (ebenfalls gespielt von Linda Stockfleth) – die Namensgleichheit kann einen schon verwirren-  in eine Ehe mit seinem und Isabellas lungenkranken Sohn Hindley. Als auch der seiner Krankheit erliegt, ist Heathcliff Herr über beide Gutshäuser. Dieken packt diesen turbulenten und hier bei weitem nicht vollständig wiedergegebenen Inhalt in kompakte 135 Minuten (inkl. Pause). Von einzelnen Spieler:innen übernommen Erzählpassagen helfen jedoch nur bedingt beim nachvollziehbaren Verstehen der Handlung und der Motivation einzelner Figuren. So bleibt in dieser Inszenierung unter anderem unklar, wer denn dieser Hareton (Mats Kampen) ist. Die zarte Szene am Schluss deutet die Liebesbeziehung zwischen dem ungebildeten Jungen und Catherine an, allerdings wäre ein Hinweis auf seine Herkunft hilfreich gewesen. Vielleicht wären rigorosere Streichungen beim Inhalt für ein klareres Verständnis nötig gewesen, denn Dieken will ja auch den Bezug zur Gegenwart. Das geschieht durch die Besetzung des Heathcliff mit einem Schwarzen Schauspieler, durch das Einflechten von englisch orientierter Jugendsprache („Fuck“, „you wish“) und durch die oft an Filme erinnernde Musik (Emil Schuler) und eingespielten Popsongs. 

Bleibt zu erwähnen, dass die Donnerstagsvorstellung nach der Premiere zwar nur mäßig besucht war, allerdings einen überraschend hohen Anteil von jungen Zuschauer:innen verzeichneten konnte. Ein gutes Zeichen.

Weitere Informationen unter: https://www.altonaer-theater.de/programm/sturmhoehe/

INFORMATIONEN FÜR LEHRKRÄFTE

Inhaltliche Schwerpunkte
  • Ausgrenzung, Diskriminierung und die daraus entstehenden Folgen 
  • Rache und Zerstörung

 

Formale SchwerpunKte
  • Realistische Spielweise
  • Einflechten von Erzählpassagen durch die Spielenden
  • An Filmmusik erinnernde Untermalung einzelner Szenen
  • Bühnenkampf
Vorschlag für Altersgruppe/Jahrgangsstufe

Ab 17/18 Jahre, ab Klasse 12

Möglich für den Englisch- und Theaterunterricht

Zum Inhalt

Das Findelkind Heathcliff ist von Catherine Earnshwas Vater auf dem Gut Wuthering Heights aufgenommen und dort als Adoptivsohn erzogen worden. Zwischen ihm und Catherine entwickelt sich eine tiefe Liebe, aber Heathcliff wird von Catherines Bruder Hindley nach dem Tod des Vaters vom Gut verbannt. Als Hindleys Frau stirbt, verfällt dieser dem Alkohol und bringt Wuthering Heights in wirtschaftliche Not. Durch die Ehe mit Edgar Linton, dem Erben von Thrushcross Grange, rettet Catherine das Gut. Sie bekommt eine Tochter, die sie ebenfalls Catherine nennt, sie selbst stirbt wenig später. Heathcliff, der zu Geld gekommen ist, kehrt nach Wuthering Heights zurück, um sich an der Diskriminierung zu rächen. Er heiratet gegen dessen Willen Edgars Schwester Isabella und zeugt mit ihr einen Sohn, den lungenkranken Linton. Nach Edgars Tod zwingt er Linton in eine Ehe mit der jungen Catherine. Linton stirbt und Heathcliff  wird zum Erbe beider Güter, er selbst stirbt allerdings an Entkräftung nicht zuletzt, weil ihn der Geist von Catherine heimsucht. Die junge Catherine geht dagegen eine Liebesbeziehung zu Hareton ein, dem Sohn von Hindley.   

 

Mögliche Vorbereitungen

Recherche zu

  • Emily Brontë: Sturmhöhe (Inhalt, Beziehung der Personen zueinander, historischer Hintergrund, Entstehung, Rezeption)
  • Biografie von Emily Brontë
Speziell für den Theaterunterricht
Übungen zum Bühnenkampf (nach Nick Doormann)
Backpfeife.

Partner:in  A und B, jede:r hüftbreiter Stand, abmessen des Abstandes, A  ist Geber:in  nimmt Arme vor die Brust, nimmt Schwung und führt ausgestreckten Arm am Gesicht von B vorbei, B, wendet ruckartig Kopf in entsprechende Richtung und klatscht in die Hände.

Achtung: A muss gerade stehen, darf sich nicht vorbeugen, muss Füße parallel halten (kein dynamischer Schritt), Timing muss stimmen; Geräusch muss laut genug sein (eine Hand als Höhle, die andere klatscht ein nur mit oberer Handhälfte), Rücken zum Publikum. 

Gerader Faustschlag

Gleiche Stellung zum Publikum, A und B stehen zueinander wie bei Backpfeife, A holt aus mit Faust (Faust: Daumen wird von Fingern umschlossen), andere Hand in Kinnhöhe ), führt Faust gerade auf B zu, im Moment des Treffers klopft sich A mit der anderen Hand auf den Brustkorb (Geräusch), B wirft Kopf zeitgleich nach hinten.

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