
„Wir sind angekommen“, strahlen Daniel Schütter und Ayla Yeginer. Vor einem Jahr haben sie als Doppelspitze die Intendanz des Ernst Deutsch Theaters übernommen und mit einem mutigen Programm ein neues junges Publikum gewonnen, ohne das alte zu verschrecken. Eine gut 70-prozentige Besucherauslastung spricht für sich, die Stückentwicklung „Keine Aufstiegsgeschichte“ war durchgehend ausverkauft, kassierte stehenden Beifall und ist in der kommenden Saison wieder dabei. Die steht unter dem Motto „Ganz schön kaputt“. Das lasse sich in „ganz schön“, „schön“ und „kaputt“ auseinanderdividieren, meint Schütter, und solle nicht nur die aktuell negative Weltlage aufgreifen, sondern „wie ein Löwenzahn im Asphalt“ auch Hoffnung spenden. Der neue Spielplan will weiterhin Barrieren abbauen und nahe an der Stadtgesellschaft sein. Junge Menschen und Menschen, die sonst im Theater unterrepräsentiert sind, sollen sich am EDT zu Hause fühlen, so das Leitungsteam. Acht Premieren inklusive Weihnachtsmärchen („Peterchens Mondfahrt“) stehen auf dem Plan, darunter „Clockwork Orange“ mit Sven Schelker (ehemals am Thalia Theater, jetzt in Basel), „Die Optimistinnen“, ein Stück über drei türkische Gastarbeiterinnen, und die Stücküberschreibung „Effi, Ach, Effi Briest“, in der die Titelfigur aus Fontanes Roman endlich sagt, was sie schon längst sagen wollte. Da man am EDT der Meinung ist, dass die Stadt neue Stimmen braucht, wird unter der Leitung von Marco Damghani (der „Keine Aufstiegsgeschichte“ inszeniert hat) das EDT Labor eingerichtet. Dort können junge Künstler:innen ihre ersten Schritte unter professionellen Bedingungen machen. Das Stück „Nur über meine Leiche“ wird hier im Austausch mit dem Publikum entwickelt. Schulprojekte, Workshops oder neue Community-Events finden in dem Labor ebenfalls statt. Es bleibt unbedingt spannend an der Mundsburg!
Weitere Informationen unter: https://www.ernst-deutsch-theater.de/programm#filter=neuespielzeit