Das tapfere Schneiderlein

Muskelprotze mögen auf den ersten Blick beeindrucken. Aber sind sie wirklich so stark und können in schwierigen Situationen bestehen? Weiter kommt man offenbar mit Erfindungsgeist und Selbstbewusstsein, wie „Das tapfere Schneiderlein“ in der prächtig ausgestatteten Inszenierung von Marius Adam am Theater für Kinder im Allee Theater beweist.

Das Schneiderein (Marcel Harkawe) zähmt das Einhorn (Luisa Neumann) – Foto: Patrick Sobottka

Die Kritik

Der Schneider hat beste Laune. Fröhlich vor sich hin trällernd näht er an einer Jacke, im Schneidersitz – wie sonst? –  auf seinem Tisch. Gerade will er eine kurze Pause einlegen und zu Mittag essen, als plötzlich ein penetranter Fliegenschwarm angeflogen kommt und ihm die Lust an seiner Marmeladenstulle verdirbt. Das sieht ganz lustig aus im Theater für Kinder, wo Marius Adam „Das tapfere Schneiderlein“ in einer eigenen Bearbeitung der Grimmsche Vorlage inszeniert hat. Die Fliegen kommen nämlich als Mobile herangeflogen und summen so laut, dass man den Ärger des Schneiderleins verstehen kann. Mit einem Taschentuch erschlägt er sie jedoch, kann nun stolz  eine fette Sieben auf seinen Gürtel mit dem Zusatz „auf einen Streich“ sticken und mit einem kühnen „Hallo Welt, ich komme!“ ins Abenteuer starten.

Neu ist die Figur des Gefährten Wusel.

Adam hat sich bei seiner Bearbeitung an den märchenhaften Weg der Hauptfigur gehalten, der über das Bestehen verschiedener Aufgaben und letztlich zur Belohnung durch den König führt. Neu ist die Figur des Gefährten Wusel, eines Fantasietieres in pastellfarbenem Jogginganzug. Wusel hat sich mit „Ich kann Chaos“ vorgestellt und ist bei Percy Baumann (auch in der Rolle des Ministers) irgendwie lässig und tatsächlich einer, der Regeln nicht ganz so ernst nimmt. Neu ist auch das Einhorn, gespielt von Luisa Neumann, die in dieser Produktion auch als Wildschwein, als Prinzessin und besonders gelungen als raubeinige Riesin besetzt ist. Das Wildschwein muss gefangen, das Einhorn mitgebracht und die Riesin und ihr Bruder besiegt werden, so lautet die Aufgabe des Königs. Den zeigt Henry Klein (auch in der Rolle des Bruders der Riesin) als einen, den man nicht wirklich ernst nehmen kann: Auf seinem Thron probiert er verschiedene Posen aus und korrigiert sich immer wieder, und seinen Minister lässt er verzweifeln, wenn er dessen Bericht zur Notlage im Königreich einfach ignoriert, indem er sich ein Taschentuch über das Gesicht legt. Fantasievolle, wunderschöne Kostüme (ebenfalls von Marius Adam) und aufwändige Kulissen für die verschiedenen Orte (Bühne: Kathrin Kegler) unterstreichen den Slogan dieses Theaters, „in dem das Staunen zu Hause ist“. Und staunen können hier die Kinder unbedingt.

Kurze Lieder im Stil von Popsongs trennen die einzelnen Szenen voneinander, dazu senkt sich immer wieder eine helle Leinwand herunter. Marcel Harkawe als Schneiderlein tritt dann auf der Stelle, um die Wanderschaft anzudeuten, legt Tanzschritte hin oder er singt. Letzteres gerät nicht immer überzeugend, aber als Schneider muss man es ja auch nicht Sängern aufnehmen. Fünfzig Minuten ohne Pause dauert diese kurzweilige Fassung vom tapferen Schneiderlein, gerade richtig für Kinder ab drei Jahre.

Weitere Informationen unter: https://alleetheater.de/events/das-tapfere-schneiderlein/

INFORMATIONEN FÜR LEHRKRÄFTE

Inhaltliche Schwerpunkte

Erfindungsgeist und Selbstbewusstsein als Weg zum Erfolg

 

Formale SchwerpunKtE
  • Aufwändige Ausstattung
  • Trennung der Szenen durch heruntergelassene Leinwand und Songs
Vorschlag für Altersgruppe/Jahrgangsstufe

Geeignet für Kinder ab drei Jahre

Zum Inhalt

Das Schneiderlein hat mit einem Tuch sieben lästige Fliegen auf seinem Marmeladenbrot erschlagen. „Sieben auf einen Streich“ hat er sich stolz auf seinen Gürtel gestickt und zieht damit in die Welt. Er lernt mit Wusel einen treuen Gefährten kennen, gemeinsam gelangen sie zum Schloss des Königs. In dessen Reich gibt es allerdings Probleme mit zwei Riesen, einem Wildschwein und einem Einhorn. Wenn das Schneiderlein dafür jeweils eine Lösung weiß, bekommt es zur Belohnung das halbe Königreich und die Prinzessin zur Frau. Erfindungsgeist und Selbstbewusstsein helfen dem Schneiderlein, die gestellten Aufgaben zu erfüllen, so dass er am Ende tatsächlich die in Aussicht gestellte Belohnung bekommt. 

 

Mögliche Vorbereitungen


Die Theaterpädagogik des Theaters für Kinder bietet Begleitmaterial zur Vor- und Nachbereitung an. Es kann unter der Email  theaterpaedagogik@alleetheater.de angefordert werden. 

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