Die Erfolgsserie „Scrubs“ hat ihn als Schauspieler weltweit bekannt gemacht, ebenso der Film „Garden State“, bei dem er für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete. Zach Braff ist aber auch der Autor von „All New People“, einer Komödie, die jetzt in der feinnervigen Inszenierung von Paul Glaser im Hamburger English Theatre zu sehen ist.

Die Kritik
Eines gleich vorweg: Zach Braff steht nicht auf der Bühne am Lerchenfeld. 2012 hatte er selbst in seinem Stück „All New People“ die Rolle des Charlie übernommen, aber diese Figur feiert gerade ihren dreißigsten Geburtstag und Braff ist bereits 51. Außerdem ist die Anreise aus seiner Heimat in den USA dann doch etwas zu aufwändig. Aber mit Will Edgerton hat er am English Theatre einen würdigen Vertreter gefunden. Edgerton zeichnet diesen lebensmüden, allen anderen eine ausgedachte Vita vorgaukelnden Mann unaufdringlich und differenziert. Zu sehen ist Charlie zunächst allein, genauer in einem Sommerhaus auf Long Island mit Couchgarnitur, Plattenspieler und Küchenzeile mit Bar. Ein tiefes Blau hinter den bodentiefen Fenstern und dem schmalen Balkon lässt Strand und Meer erahnen (Bühne: Mathias Wardeck). Alles bestens also, auch als Charlie eine LP mit irischem Riverdance auflegt und dazu wie angestochen im Raum herumtanzt. Dass ihm aber so gar nicht nach Leichtigkeit und Frohsinn zumute ist, erkennt man spätestens in dem Moment, als er sich einen Stuhl holt und eine Schlinge über den Balken legt. Charlie hat genug, er will nicht länger leben. Da klingelt es an der Tür und herein stürmt Emma (Claudia Watanabe). Sie ist Maklerin und will das Sommerhaus eigentlich an ein Ehepaar verkaufen, aber jetzt sieht sie sich eher als Lebensretterin (zumal das Ehepaar sehr auf sich warten lässt) und quatscht mit enervierender Fröhlichkeit Charlie eine Frikadelle ans Ohr. Bald darauf erscheint in Feuerwehruniform Emmas Freund Myron (Kamal Boulema), ein lässiger Typ, dem kein Spruch, und sei er noch so daneben, zu billig ist. Peinlich ist er trotzdem nicht, Boulema lässt seine Figur über den Dingen stehen und macht sie zum Sympathieträger. Gemeinsam versuchen er und Emma, auf Charlie einzureden, bis es erneut klingelt und mit Kim (Paloma Siblik Amaya) eine Escort-Dame erscheint. Amaya gelingt es, diese Figur in rattenscharfem Minikleid und roter Pelzjacke (Kostüme: Patricia Royo) nicht ins Klischeehafte abdriften zu lassen. Sie zeigt Wärme, ehrliche Anteilnahme an Charlie, hat einen Ehrenkodex für ihren Job entwickelt und erzählt von ihrem Traum, als Singer/Songwriterin Karriere zu machen. Das alles übrigens mit einer kindlichen Stimme und einer entwaffnenden Naivität.
„You’re not alone“
Der erste Teil des insgesamt zweistündigen Stückes (inkl. Pause) beschäftigt sich auf höchst amüsante Weise mit der Oberfläche der Figuren. Regisseur Paul Glaser (auch verantwortlich für Musik, Licht und Video) gibt seinem auch diesmal wieder hervorragendem Ensemble Raum, um die jeweiligen Charaktere so zu zeichnen, dass man glaubt, sie verstanden zu haben und einordnen zu können. Allerdings weisen Video-Einspielungen darauf hin, dass sie nicht die ganze Wahrheit sagen. Tatsächlich wird es im zweiten Teil bei aller Komik deutlich dunkler. Dann nämlich werden auch Emmas und Myrons bislang verschwiegene Probleme aufgedeckt. Man erfährt, warum Emma so dringend eine Aufenthaltsgenehmigung für die USA braucht und unmöglich nach London zurückkehren kann. Auch warum Myron nicht mehr als Lehrer arbeiten darf und dass Charlie wegen eines gravierenden Fehlverhaltens tatsächlich einen Grund hat, sich aufzuhängen. Unbeschadet bleibt Kim. Da dieser verrückte Tag ausgerechnet Charlies dreißigster Geburtstag ist, singt sie ihm ein Ständchen: „You’re not alone“ – mit klarer Stimme vorgetragen, tröstlich und wunderschön. Ein sehenswerter Abend!
Weitere Informationen unter: https://eth-hamburg.de/2025/08/04/people/
INFORMATIONEN FÜR LEHRKRÄFTE
Inhaltliche Schwerpunkte
- Einsamkeit
- individuell unterschiedliches Verdecken von persönlichen Problemen
Formale SchwerpunKte
- Realismus in Spielweise und Bühnenbild
- Rückblenden über Videoeinspielungen
Vorschlag für Altersgruppe/Jahrgangsstufe
- Ab 17/18 Jahre, ab Klasse 12
- Geeignet für den Englischunterricht
Mögliche Vorbereitungen
Der Study Guide des English Theatres (https://eth-hamburg.de/wp-content/uploads/2026/04/Study-Guide_All-New-People-1.pdf )bietet Informationen zum Autor, eine genaue Inhaltsangabe sowie Fragestellungen, die im Unterrichtsgespräch oder schriftlich beantwortet werden können.