Titel und Untertitel klingen ein bisschen sperrig: „Der Frequenzsprung – Eine technische Durchlaufprobe für Hedy Lamarr“. Aber das Fundus Theater macht als Forschungstheater spannende Produktionen, bei denen Kinder immer mitdenken und beteiligt sind. Wie hier. Es geht um Computertechnik und die Menschen, die dazu die Grundsteine gelegt und sie weiterentwickelt haben. Auch Erwachsene können hier eine Menge Neues erfahren.

Die Kritik
Die 60 Sitzgelegenheiten im Theaterraum sind vorgegeben. „Bitte nicht verrücken“, heißt es zu Anfang. Denn sonst klappt es mit der ausgefeilten Technik nicht. Jede und jeder bekommt eine VR-Brille, die man aber auch weglassen kann. Doch eigentlich wollen Kinder ja gerade in digitale Welten eintauchen. Aber wie passt das zum behäbigeren Medium Theater? Brenda Alaís und Christopher Weymann haben mit „Der Frequenzsprung“ eine gut 70minütige Produktion entwickelt, in der sie spielerisch und unter Mitwirkung des Publikums erzählen, wie Computer entstanden sind. In bunten Kostümen stehen sie auf der abgeschrägten Bühne, über der zwei Monitore angebracht sind, und stellen erst einmal Hedy Lamarr und vier weitere Erfinder und Erfinderinnen vor: Ein Blick durch die VR-Brille oder auf einen der Monitore zeigt den Hollywoodstar Hedy Lamarr, gleichzeitig dreht sich auch Christopher Weymann in einem ähnlichen Kleid wie Lamarr auf der Bühne. Hedy, so wird später erklärt, habe durch ihre Erfindung die Grundlage für drahtlose Kommunikation wie WLAN und Bluetooth entwickelt. Nur, dass ihr das damals niemand abgenommen hat, weil sie doch eine Frau und ein Filmstar war.
Auch andere Personen hatten Schwierigkeiten: Ada Lovelace, die die Basis für das Programmieren legte, Alan Turing, der die Grundlagen für die moderne Computertechnik legte und mit seinen Erfindungen den Zweiten Weltkrieg um zwei, drei Jahre verkürzen konnte. Oder Katherine Johnson, durch deren Arbeit die erste Mondlandung überhaupt erst möglich wurde. Oder Wendy Carlos, die die Musik mit Elektronik und Synthesizern neu erfand.
Ein Heidenspaß ist das und gleichzeitig so eindeutig und klar in seiner Aussage.
Die Namen der Erfinder:innen sind auf Schildern angebracht, dazu gibt es jeweils eine entsprechende kleine Figur. Das Publikum darf abstimmen, mit wem man anfangen möchte. In der entsprechenden Reihenfolge werden die Erfindungen digital präsentiert und die Lebensgeschichten von der Bühne direkt erzählt. Man erfährt, dass Turing als Homosexueller verhaftet wurde, Johnson als schwarze Frau nie mit der Mondlandung in Verbindung gebracht worden ist und Carlos jahrzehntelang nicht als Frau leben konnte.
Und wie geht ein Algorithmus? So ähnlich wie eine Choreografie wissen Alaís und Weymann. Das Publikum darf vier verschiedene Moves vorschlagen, die jeweils mit einer Farbe gekoppelt werden. Freiwillige treten zu Weymann vor die Bühne, das Publikum ruft ihnen eine Farbe zu und die entsprechende Bewegung wird ausgeführt. Ein Heidenspaß ist das und gleichzeitig so eindeutig und klar in seiner Aussage.
Es gibt bei dieser Vorstellung viel zu entdecken: über Computer, über die Menschen, die sie erfunden und weiterentwickelt haben, und über die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert worden sind. Die unbedingt empfehlenswerte Produktion ist zunächst bis zum 29. März zu sehen, wird aber im Herbst wieder aufgenommen.
Weitere Informationen unter: https://www.stadtkultur-hh.de/2026/03/premiere-im-fundus-theater-der-frequenzsprung-eine-technische-durchlaufprobe-fuer-hedy-lamarr/
INFORMATIONEN FÜR LEHRKRÄFTE
Inhaltliche Schwerpunkte
- Die Entstehung von Computern
- Fünf außergewöhnliche Pionier:innen und ihre z.T. schwierige Situation als schwarze Frau, als Mann im falschen Körper, als Homosexueller, als Frau in einer Männerdomäne
Formale SchwerpunKte
- Nutzung von VR-Brillen
- Theatrales Spiel
- Beteiligung des Publikums
Vorschlag für Altersgruppe/Jahrgangsstufe
Ab 8 Jahre, ab Klasse 3
Zum Inhalt
Am Beispiel der Pionier:innen Aja Lovelace, Alan Turning, Katherine Johnson, Wendy Carlos und Hedy Lamarr wird erzählt, wie die Computertechnik entstanden ist und wie diese fünf Personen mit ihren Erfindungen die Welt verändert haben.